Eine abenteuerliche Katzenreise

Miez und Maunz, zwei hübsche Kätzchen,
Miezchen weiß mit schwarzem Fleck,
Maunz ganz schwarz mit weißen Tatzen
sagten sich: wir laufen weg!
Abenteuer zu erleben
ist doch lang schon unser Traum
und das Wetter ist grad günstig,
sich die Welt mal anzuschaun.

Also schleichen sie frühmorgens
bei Sonnenaufgang aus dem Haus
und entlang der großen Straße
laufen sie zum Dorf hinaus.
Große Neugier treibt sie vorwärts,
eilig geht's den Wald hinauf
und weil sie den schon gut kennen,
hält sie darin nichts mehr auf.

Später folgen sie dem Bache,
der durch eine Wiese fließt,
das verkürzt den Weg erheblich,
weil er interessanter ist.
Bei drei Buchen nah am Wasser
kommen sie um neun vorbei
und beschließen, drunter lagernd,
dass es wohl das beste sei,
statt am Bach entlang zu laufen
lieber in die Stadt zu gehn,
da gibt's sicher Abenteuer
und auch ziemlich viel zu sehn.

Doch da hören sie Gezwitscher.
Über sich auf einem Baum
sehen sie fünf Spatzen hocken,
die auf sie herunterschaun.
Maunz wollen wir die Vögel jagen?
Ich erreich den linken Ast.
Hör nur wie sie uns auslachen.
Wartet gleich seid ihr gefasst.

Miez nimmt Anlauf und voll Eifer
klettert sie am Stamm hinauf,
doch kaum hat sie ihn erklommen,
fliegen alle Vögel auf!
Oh weh, nun sitzt sie fest da oben,
runter ist's so furchtbar tief!
Sie krallt sich ängstlich an die Rinde.
Geht denn plötzlich alles schief?

Maunz ruft: spring doch schnell herunter,
rauf hast du es auch geschafft.

Miezchen klagt mit leiser Stimme:
Dazu hab ich keine Kraft.
Alle Knochen werd ich brechen,
spring ich in die Tiefe gleich,
denkt sie, denn der Wiesenboden
ist bestimmt nicht daunenweich.

Ob ich's weiter vorn versuche?
Vielleicht wippt der dünne Ast
und wenn ich mich dann loslasse
lande ich im hohen Gras.
Auf dem Bauche kriecht sie weiter.
Knacks! Oh weh! Der Ast bricht ab
und mit schrecklichem Gejammer
landet Miezchen – platsch – im Bach.

Maunz läuft schnell hinab ans Ufer,
ach was muss er da nur sehn:
prustend und wild um sich schlagend
sieht er Miezchen untergehn.
Doch da kommt ein Brett geschwommen,
Miez zieht sich daran empor,
kraftlos schon und leise schluchzend
paddelt sie zum Bachrand vor.

Hat die Mutter nicht verboten
auf die Vogeljagd zu gehen?
Wäre folgsam ich gewesen
konnt' das Unglück nicht geschehn.
Unten an des Baches Krümmung
stoppt das Brett an einem Stein,
flink springt Miez hinauf ans Ufer,
froh wieder an Land zu sein.

Ach wie kläglich ist ihr Anblick,
silbern glänzt das nasse Fell.
Frierend tappt sie durch die Wiese,
Sonne mach mich trocken, schnell!
Ganz erschöpft ist's eingeschlafen,
derweil Maunz sich putzt und wacht,
denn auch er hat voller Bangen
an der Mutter Wort gedacht.

Als die Sonne steht im Mittag
geht's den Kätzchen wieder gut.
Den Weg in die Stadt zu nehmen,
beschließen sie mit neuem Mut.
Eine gute Stunde später
treffen sie am Stadttor ein.
Stimmenschwall und buntes Treiben
zeigt es, heut muss Markttag sein.

Oh welch herrliche Gerüche
liegen lockend in der Luft.
Beide Kätzchen schlendern schnuppernd –
vorwärts Richtung Bratenduft.
An den Kisten und den Körben
schleichen sie verschmitzt vorbei,
immer heimlich auf der Lauer
ob was drin zu fressen sei.

Maunz hier riecht's nach feinen Sachen,
schau doch mal da unterm Tisch
in der Kiste liegt vergessen
ein ganz wunderbarer Fisch.

Beide angeln die Makrele
kunstvoll aus dem hohen Kasten.
Als der Fischer das entdeckt
hat Maunz sie schon in den Tatzen.

Zornig fauchend stellt den Buckel er
und springt geschwind vom Platz.
Miezchen folgt ihm freudestrahlend
über den begehrten Schatz.
Und in einer stillen Ecke
wo die beiden niemand stört
wird mit schmatzendem Behagen
gleich ein Stück vom Fisch verzehrt!

Einer aber hat's gesehen,
und rast gleich voll Neid herbei,
um die Makrele zu erbeuten
riskiert er jede Rauferei.
Maunz verschluckt vor Schreck die Gräten,
doch gleich zeigt er seine Krallen,
von dem frechen Straßenhund
lässt er sich das nicht gefallen.

Fauchend springen beide Katzen
ihm entgegen unverdrossen
ihre Mahlzeit zu verteidigen,
sind sie mehr denn je entschlossen.

Doch das Glück hat sich gewendet,
scheint jetzt auf des Hundes Seite,
die Makrele in der Schnauze
sucht gerade er das Weite,
da steh'n plötzlich in der Gasse
vier von seinen Spießgesellen,
wollen ihm den Fang entreißen,
während sie voll Kampflust bellen.

Was ist so ein kleines Fischlein
schon für eine wilde Meute,
knurrend und wild um sich beißend
streiten sie um ihre Beute.
Und nach wenigen Sekunden
ist sie schon total zerrissen,
keiner hat ein Stück bekommen,
aber jeder wurd' gebissen.

Kampflust immer noch im Sinne
sehen sie die kleinen Kätzchen.
Wieder einig wird beschlossen
sie ein Stück des Wegs zu hetzen.
Und mit zornigem Gekläffe
kreisen sie die beiden ein,
jagen sie durchs schmale Gässchen
fünf gegen zwei, das ist nicht fein.

Oben wo die Gasse endet,
tut sich eine Straße auf,
Miez rennt ohne Furcht hinüber,
Maunz jedoch stoppt seinen Lauf.
Maunz komm schnell zu mir herüber,
sonst beißen die Hunde dich!

Maunz rennt los, vor Angst ganz kopflos,
da – er sieht das Auto nicht!
Bremsen quietschen, Hupen dröhnen,
Maunz rutscht auf dem Bauch ein Stück,
hält die Pfoten vor die Augen –
doch er hat noch einmal Glück.

Er erreicht die Straßenseite
auf der Miez die Pfötchen ringt
und fassungslos in Tränen ausbricht,
als er auf den Gehweg springt.
Das sind schöne Abenteuer!
Erst das kalte Bad im Bach,
dann die Hunde und das Auto.
Miezchen hör, ich fühl mich schwach.
Weißt du was? Es ist wohl besser,
wenn wir heim zur Mutter gehn.
Sind wir groß dann ist es leichter
Abenteuer zu bestehn.

Und so sieht man sie nun wandern
nachts im hellen Mondenschein
auf der Straße die zum Dorf führt
Sicher sind sie bald daheim.

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Petra Koch

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