Warum wir einen Schutzengel haben

Es war einmal vor langer langer Zeit. Gott hatte unser wunderbares Universum geschaffen mit allen Planeten und Sonnen und Sternen. Viele Engel, große und kleine, hatten ihm dabei geholfen. Ein Engelchen war ganz besonders fleißig gewesen, hatte es doch mit seinen kleinen Händen Sternenstaub eingefangen. Und als Gott die Erde und alles was darauf war erschuf, da durfte dieses Engelchen den gesammelten Sternenstaub über die Erde streuen und es wurden daraus Blumen und Gräser, Bäume und Büsche. Das Engelchen war stolz auf seine Arbeit und freute sich sehr als es sah, wie alles so wunderschön blühte und grünte.

Engel am FensterAm Abend des sechsten Tages aber war Gottes Arbeit beendet. Er betrachtete sein Werk, fand es gut und er bat alle himmlischen Helfer sich auszuruhen von der vielen Arbeit.

Das Engelchen, das den Sternenstaub über die Erde gestreut hatte, fühlte sich noch gar nicht müde und wollte sich nicht ausruhen, nein, es schlich sich in den Thronsaal, setzte sich dort neben Gottes Fußschemelchen und langweilte sich. Und weil es sich so schrecklich langweilte, quengelte es ständig vor sich hin, so dass der liebe Gott kein Auge zu tun konnte und es ihm bald zu bunt wurde. So begann er zu überlegen welche Aufgabe er dem Engelchen anvertrauen könnte, jetzt, wo doch alle Dinge gerade erschaffen und vollkommen waren. Er trat an das große Himmelsfenster, von dem aus man alles, aber auch alles überblicken konnte. Er sah nach der Erde und hinein ins Paradies und musste zu seinem Entsetzen sehen, dass Eva in einen Apfel vom Baum der Erkenntnis gebissen hatte und gerade dabei war ihn an Adam weiterzureichen. Das Engelchen war dem lieben Gott nachgelaufen und schaute auch zum Fenster hinaus und hinunter auf die Erde.

Nein, nein, sagte der liebe Gott laut, Adam und Eva, ich habe es euch unter Strafe verboten. Warum haltet ihr euch nicht an die Regeln. Ich muss euch nun schweren Herzens aus dem Paradies vertreiben. Das ist sehr schade.

Tür zum ParadiesUnd so geschah es. Adam und Eva mussten das Paradies verlassen. Gott schloss das große Tor und stellte zwei Cherubim als Wächter davor. Aber noch während er das tat, hatte er eine Idee, welche Aufgabe er dem kleinen quengelnden Engelchen übertragen könnte.

Komm mal her zu mir, kleiner Engel, sagte er und hob ihn auf seinen Schoß. Du hast doch gerade gesehen, was da unten auf der Erde geschehen ist.

Das Engelchen nickte eifrig.

Schau, sagte der liebe Gott. Weil die Menschen sich nicht an die Regeln gehalten haben, müssen sie nun für eine sehr lange Zeit außerhalb des Paradieses leben. Das wird nicht leicht für sie sein. Sie werden jemanden brauchen, der auf sie aufpasst. Diese Aufgabe könntest du von jetzt an übernehmen. Aber: Adam und Eva dürfen davon nichts wissen, du darfst dich ihnen niemals zeigen. Sie werden sonst womöglich leichtsinnig sein und viele Dummheiten machen. Am besten fängst du gleich mit dem Aufpassen an.

Ja, sagte das Engelchen, das mache ich, lieber Gott. Ich freue mich über diesen schönen Auftrag. Und das Engelchen flog hinunter auf die Erde und begleitete Adam und Eva bis sie ganz alt waren, ohne dass die beiden seine Anwesenheit bemerkten.

Engel am FensterBald gab es viele Menschen auf der Erde. Da ging das Engelchen wieder zum lieben Gott und sagte:

Es sind jetzt so viele Menschen auf der Erde. Ich kann nicht auf alle aufpassen, hilf mir bitte.

Da rief der liebe Gott viele kleine Engel zu sich in den Thronsaal und sagte:

Ich habe eine sehr wichtige Aufgabe für jeden von euch: Immer wenn auf der Erde ein Mensch geboren wird, soll einer von euch ihn unsichtbar begleiten und so lange er lebt, sein Schutzengel sein.

So geschieht es bis heute. Immer geht ein Engel an unserer Seite, ohne dass wir von ihm wissen oder an ihn denken. Doch manchmal, wenn wir uns an ihn erinnern, wenn wir seine Hilfe brauchen und nach ihm rufen, können wir tief in unserem Herzen spüren, dass er bei uns ist.

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Petra Koch

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