Das Schaukelpferd

Am Morgen des 24. Dezember 1926 machte sich Vater Wilhelm im Altenburger Land auf den Weg, um auf dem Rittergut im Nachbardorf das Weihnachtsgeschenk für seine Buben abzuholen: ein altes, noch gut erhaltenes, sehr stabiles Schaukelpferd, das einmal den Grafenkindern gehört hatte. Es war groß wie ein echtes Pony. Es war sogar mit echtem braunem Pferdefell bezogen. Die drei ältesten Buben, zehn, acht und fünf Jahre alt, hatten ihrer Mutter im Herbst bei der Kartoffelernte auf dem Gut geholfen, was damals durchaus üblich war und dabei hatten sie das Schaukelpferd unter einem Haufen alter Säcke in einer der Scheunen entdeckt. Seit diesem Tag ging ihnen das Pferdchen nicht mehr aus dem Kopf und sie bettelten immer wieder:

Bitte, bitte Vati, wir wünschen uns das Schaukelpferdchen, und schließlich hatte Wilhelm, der als Bergmann arbeitete, es dem Verwalter für viele zusätzliche Arbeitsstunden auf dem Gut abgeschwatzt. Vorgestern hatte er das Pferd gesäubert und seine Kufen neu mit einem Rest roter Farbe gestrichen, den der Verwalter ihm geschenkt hatte. Zuhause würde er das Schaukelpferd später heimlich in den Holzschuppen stellen und wenn Mutter Milda mit den Kindern zur Nachmittagsmesse in der Kirche war, würde er es in der Stube unter dem Tannenbaum aufstellen, sich danach in den alten Ohrensessel setzen und aufpassen, ob der Weihnachtsmann vorbeikäme.

Am Vortag hatte es kräftig geschneit. Der Schnee war liegen geblieben und Wilhelm, der den langen Weg zu Fuß machen musste, hoffte darauf, von einem Fuhrwerk oder jemandem mit einem Automobil mitgenommen zu werden. Doch diese Hoffnung zerschlug sich bald.

Es war kalt, der Wind kam aus Nordosten. Um den Weg abzukürzen ging Wilhelm über die Felder. Er kannte das Gelände und kam trotz des hohen Schnees gut voran. Um die Mittagszeit erreichte er das Gut und meldete sich, wie vereinbart beim Verwalter, der ihn zur Scheune begleitete, wo das Schaukelpferd auf seine Abholung wartete. Während sie gingen, steckte der Verwalter Wilhelm eine Viertelseite geräucherten Speck in die Jackentasche. Kleines Weihnachtspräsent, sagte er dabei, bist ein guter und fleißiger Arbeiter, Wilhelm. Der freute sich über die großzügige Geste und bedankte sich überschwänglich.

Da wird Mutter sich aber freuen, sagte er.

Schaukelpferd

Just zu jener Zeit als die beiden Männer zur Scheune gingen, um das Schaukelpferd zu holen, wurden die drei ältesten Buben Hellmuth, Egon und Heinz in der Küche von Mutter Milda in einem großen Holzzuber voll warmem Wasser mit Kernseife abgeschrubbt. Der dreijährige Fritz hatte die Prozedur schon hinter sich gebracht, saß auf einer alten Wolldecke und spielte mit Bauklötzen. Den drei Buben wurden die Haare gewaschen, begleitet von Egons Geschrei, dem die Seife in den Augen brannte. Als das Bad beendet war, nahm Mutter Milda einen passenden Kochtopf aus dem Schrank, setzte ihn nacheinander auf die Bubenköpfe, und schnitt mit ihrer Schneiderschere alle Haare ab, die unter dem Topfrand hervorschauten. Jedem Jungen, ja jedem Mann in dem kleinen 300-Seelen-Dörfchen wurden auf diese Weise die Haare gekürzt. Es kostete nichts und sah dazu noch gut aus.

Zu Mittag gab es süße Mehlsuppe. Danach wurden alle Buben ins Bett geschickt, damit sie sich nicht wieder einschmutzen konnten und für den Kirchgang ausgeruht waren. Milda schob gerade den vorbereiteten Kaninchenbraten ins Rohr als die Hintertüre aufging und Onkel Oswin hereinkam.

Wollte helfen, den Baum aufzustellen, Milda sagte er, dann braucht Wilhelm das nachher nicht zu machen.

Ist gut, Oswin, antwortete Milda, die Säge ist im Schuppen und wenn du fertig bist damit, häng sie wieder zurück an den Haken. Nicht, dass einer der Burschen sie in die Finger kriegt, die stellen wer weiß was damit an.

Sicher, sagte Oswin. Er verschwand im Holzschuppen um die Säge und den Weihnachtsbaum zu holen und schleppte alles zu Milda in die Küche. Gemeinsam stellten sie den Baum in den Holzständer und trugen ihn dann in die Stube. Oswin nahm die Säge in die Stube mit, damit er nicht vergaß sie in den Schuppen zurückzubringen.

Wenn Du noch Zeit hast kannst Du mir helfen den Baum zu schmücken, sagte Milda zu Oswin, kriegst auch einen Klaren dafür.

Mach ich Milda, her mit dem Gesöff, dann geht es schneller, lachte er. Die Säge lehnte er neben den bodenlangen Fenstervorhängen an die Wand. Aus dem einen Klaren wurden im Laufe der nächsten Stunde drei und nach dem vierten vergaß Oswin, dass er die Säge in den Holzschuppen zurückbringen sollte.

Weihnachtsbaum

Wärst du eine Stunde früher gekommen, sagte der Verwalter zu Wilhelm, dann hättest du mit euerem Pastor zurückfahren können, aber nun ist es zu spät. Wie willst du das Pferd transportieren. Es ist ziemlich schwer.

Mensch Verwalter, sagte Wilhelm, ich bin Bergmann, ich werde doch das Pferd heim kriegen. Hilf mir, es auf den Rücken zu binden. Ich hab mir die Hanfseile dafür schon zurechtgelegt. Die bring ich nach den Feiertagen wieder zurück.

Na gut, antwortete der Verwalter. Wir sollten uns damit beeilen, es riecht nach neuem Schnee.

Sie legten einen aufgeschnittenen leeren Kartoffelsack zum Schutz auf das Schaukelpferd, banden es auf Wilhelms breiten Rücken, verschnürten die Seile vor seiner Brust und Wilhelm machte sich auf den Rückweg.

Hatte er am Vormittag auf dem Weg zum Gut Rückenwind gehabt, so kam der eisige Nordostwind jetzt ständig von vorn. Wie mit Nadeln stach er in Wilhelms Gesicht. Der zog seine Strickmütze tief über die Ohren und schlang seinen Schal über den Mund. Wilhelm war vielleicht einen Kilometer vom Rittergut entfernt, da begann es zu schneien. Er ging jetzt nicht mehr über die Felder, sondern an der Straße entlang. Das Schaukelpferd auf seinem Rücken war schwer, aber Wilhelm war ein starker vierunddreißigjähriger Mann, gewohnt schwere Lasten zu tragen. Nach zwei Kilometern wurde das Schneetreiben so dicht, der Wind so stark, dass Wilhelm kaum noch vorankam. Auch war die schmale Verbindungsstraße zwischen den Dörfern nun kaum noch auszumachen, starke Schneeverwehungen hatten die ganze Gegend in eine weiße Ebene verwandelt, in der es nur wenige Erhebungen gab. Wilhelm fiel es immer schwerer die Orientierung zu behalten. Bald lag der Schnee kniehoch. Wilhelms Atem dampfte, sein Schal vor dem Mund wurde nass und gefror. Auf seinen Wimpern und Augenbrauen setzte sich der Schnee fest und das Gehen fiel ihm immer schwerer. Das Schaukelpferd hatte durch den Schnee an Gewicht zugelegt und Wilhelm konnte ihn nicht abschütteln. Er wusste schon längst nicht mehr wo die Straßenbegrenzung aufhörte und die Wiese begann und so stolperte er in einen Graben und fiel hin. Es dauerte eine Zeitlang, bis er sich wieder aufgerichtet hatte, denn das Gewicht des Schaukelpferdes drückte ihn immer wieder hinein in den Schnee. Schließlich stand er wieder auf den Beinen und stapfte vorwärts, doch erst als er schon ein Stück Weg weitergegangen war merkte er, dass er seine Strickmütze bei dem Sturz verloren hatte. Seine Ohren fühlen sich an als wären sie erfroren. Seine Hände und Füße waren eiskalt. Es war jetzt halb zwei Uhr nachmittags und er würde sich noch mehr als eine Stunde durch den Schnee kämpfen müssen bis er endlich daheim ankam. Es war schon seltsam: Obwohl sonst auf dieser Straße zwischen den Dörfern ein reger Fuhrwerksverkehr herrschte, schien heute außer ihm keine Menschenseele mehr unterwegs zu sein.

Es war ein mühseliger und sehr anstrengender Heimweg und Wilhelm war froh, als er endlich die ersten Häuser seines Heimatdörfchens erkennen konnte. Im Dorf selbst machte er noch einen Umweg, denn die Kirchenglocken begannen zu läuten und er wollte Milda und den Buben nicht mit dem Schaukelpferd auf dem Rücken begegnen. Dann war er endlich zu Hause. Er ging in den Schuppen, löste die verknoteten Hanfseile auf der Brust, was mit seinen kalten Fingern gar nicht leicht war, und ließ das Schaukelpferd von seinem Rücken gleiten.

Vater Wilhelm ging durch den Schnee zum Haus, öffnete die unverschlossene Haustüre und rief: Ist jemand da?

Keine Antwort. Milda war mit Onkel Oswin und den vier Kindern schon zur Kirche gegangen. Das war Wilhelm recht. Er holte das Schaukelpferd aus dem Holzschuppen und stellte es, nachdem er seine nasse Kleidung, die Stiefel und Socken ausgezogen hatte, in der guten Stube neben den geschmückten Weihnachtsbaum. Hier in der Wärme der Stube würde das feuchte Fell schnell wieder trocken. Er blieb eine Weile um sich am Ofen aufzuwärmen, dann schloss er die Stubentüre von außen ab. Er schaute in die Küche und suchte dort nach Essbarem. Den Speck, den der Verwalter ihm geschenkt hatte, rührte er nicht an, er legte ihn auf den Küchentisch. Wilhelm fand den Rest der süßen Mehlsuppe und aß ihn auf. Danach war er so erschöpft, dass er wie ein Stein auf das alte Sofa fiel und einschlief.

Um halb sechs Uhr kamen alle aus der Kirche zurück. Onkel Oswin, noch Junggeselle, war mitgekommen. Um sechs Uhr abends gab es die Bescherung für die ungeduldig wartenden Kinder. Endlich, endlich klingelte das Weihnachtsglöckchen und die Stubentüre wurde geöffnet!

Welche Pracht! Welch ein Leuchten und Funkeln.

Da stand der Weihnachtsbaum, mitten in der guten Stube, geschmückt mit vielen kleinen rotbackigen glänzenden Äpfelchen und den Strohsternen, die die Buben zu Beginn des Advent selbst gebastelt hatten. Die Bienenwachskerzen brannten und verbreiteten einen wunderbaren Duft. Der Weihnachtsmann war da gewesen und hatte jedem der Kinder einen kleinen Sack mit Nüssen und Äpfeln gebracht und - da stand so überirdisch schön anzusehen, dass es den Buben schier den Atem verschlug, das lange ersehnte Schaukelpferd. Es nickte den Buben aufmunternd zu als wolle es sagen,

kommt steigt auf Kinder,
wir wollen reiten,
reiten bis dahin
wo der Himmel die Erde berührt...,

aber die Buben bewegten sich nicht. Sie standen da, alle vier, aufgereiht wie Orgelpfeifen, mit vor Staunen aufgerissenen Augen und Mündern ob des Wunders, dass ihr größter, ihr innigster Wunsch in Erfüllung gegangen war. Milda und Wilhelm sahen sich verstohlen an, mit einem Lächeln in den Augen und Wilhelm sagte leise:

Wie sie sich freuen die Burschen. Bei dem Anblick geht mir das Herz auf Milda, da hat sich die ganze Plackerei neben der Schicht und das Heimschleppen doch wirklich gelohnt.

Reiten, sagte der kleine Fritz und streckte seine Arme aus. Wilhelm hob ihn hoch und setzte ihn auf das Schaukelpferd. Und nun wollten die anderen ebenfalls hinauf, alle gleichzeitig. Hellmuth, der im August zehn geworden war, holte einen Stuhl und kletterte selbst hinauf, Egon auch, er setzte sich vor Hellmuth, Heinz vor Egon, der den kleinen Fritz festhielt und so hockten sie alle vier auf dem Pferd und schaukelten und wollten gar nicht mehr absteigen. Wie gesagt, es war ein altes, sehr schönes, sehr schweres und sehr großes Schaukelpferd!

Nach der Bescherung wurde zu Abend gegessen. Es gab Kaninchenbraten mit Rotkohl und selbstgemachten rohen Klößen. Die Erwachsenen stießen mit einem Glas Weißwein an, den Milda zum 30. Geburtstag vom Gutsverwalter bekommen hatte und um zehn Uhr abends wurden die Buben zu Bett geschickt. Onkel Oswin verabschiedete sich und danach gingen auch Milda und Wilhelm schlafen.

Weihnachtsstern

Hellmuth und Egon teilten sich ein Bett. Hellmuth lag wach. Dass der Weihnachtsmann, der sonst nur kleine Geschenke brachte, dieses Jahr das Schaukelpferd beschert hatte, war so schön und überraschend gewesen, dass er nicht einschlafen konnte. Die Gedanken jagten einander in seinem Kopf. Irgendwann sagte Hellmuth leise in die Stille:

Psst, Egon schläfst du schon?

Nee, warum?

Wie das Pferd wohl innen aussieht?

Weiß nicht, Holz wird drin sein oder Sägespäne, keine Ahnung, schlaf jetzt Hellmuth.

Egon drehte sich zur Seite und zog die Bettdecke über seinen Kopf. Hellmuth schwieg.

Heinz und Fritz schliefen auch in einem Bett. Nach einer Weile flüsterte Heinz:

Wir könnten nachschauen, was drin ist, dann wissen wir es.

Meinste, flüsterte Hellmuth zurück.

Das Thema ließ Heinz keine Ruhe. Wenig später fragte er:

Wollen wir nachschauen?

Willste wirklich? sagte Hellmuth mit leisem Zweifel in der Stimme.

Ja.

Die Säge steht noch hinter dem Vorhang in der Stube, meldete sich nun Egon zu Wort. Er schlug die Bettdecke zurück.

Gehen wir, sagten alle drei Buben fast gleichzeitig. Den kleinen Fritz ließen sie schlafen. Sie sprangen aus den Betten, schlüpften in ihre Filzpantoffeln und schlichen die steile Holzstiege hinunter. Vor der Schlafkammer der Eltern blieben sie einen Moment stehen und lauschten. Sie hörten den Vater schnarchen. Hellmuth ging weiter, die anderen folgten. Sie huschten schnell in die Stube und schlossen leise die Türe. Hellmuth suchte im Dunkeln nach der Petroleumlampe, die immer auf der Anrichte stand, fand sie und zündete sie an. Egon holte die Säge hinter dem Vorhang hervor.

Das Schaukelpferd war wirklich sehr groß und hoch. Hellmuth nahm einen Stuhl und wies Heinz und Egon an, die Lehne hinten unter die Kufen zu schieben. Dann würde das Pferd etwas nach vorne kippen und sie kämen besser dran. Das taten sie und danach hielten sie das Pferd fest, Egon hinten, Heinz vorne.

Hellmuth nahm die Säge und setzte sie am Hals des Schaukelpferdes an. Er hatte dem Vater schon oft beim Holzsägen geholfen und war sehr geschickt. Hin und her zog er das Sägeblatt und immer tiefer schnitt es sich in den Pferdehals. Heinz bekam Bedenken.

Mensch, hör auf Hellmuth, sagte er, du machst das Pferd kaputt.

Nee, widersprach Hellmuth, wir setzen den Hals nachher wieder drauf, das merkt keiner. Du willst doch wissen was drin ist.

Klar.

Und Hellmuth sägte und sägte und dann war der Hals durch und Heinz hielt den Kopf des Schaukelpferdes in der Hand.

Leuchte mal mit der Lampe, bat Heinz. Hellmuth legte die Säge auf den Boden und tat wie geheißen.

Mensch, sagte der fünfjährige Heinz, da ist ja nur Stroh drin. Stroh, kein Fleisch. So ein Mist.

Nach dieser Enttäuschung dämmerte den Dreien, dass sie wohl etwas unverzeihliches getan hatten. Sie versuchten unter Zuhilfenahme des Zaumzeugs den Kopf wieder auf dem Rumpf des Schaukelpferdes festzumachen. Als das nach vielen vergeblichen Bemühungen ganz und gar nicht gelingen wollte, legten sie den Kopf vorne zwischen die roten Kufen. Hellmuth stellte die Säge zurück hinter den Vorhang. Danach schlichen alle drei leise nacheinander die Stiege hinauf in ihre Schlafkammer unter dem Dach.

Das gibt Ärger morgen früh, sagte Egon nachdenklich.

Was sagen wir den Eltern, fragte Heinz.

Dass wir geschlafen haben und dass es der böse Horlapp gewesen sein muss, der in der Weihnachtsnacht rumschleicht und Unfug treibt. Wir dürfen uns nur nicht verplappern, antwortete Hellmuth.

Sie schlüpften in ihre Betten, zogen sich die Decken ans Kinn und versuchten einzuschlafen.

Weihnachtsstern

Vater Wilhelm tappte am Morgen des ersten Weihnachtstages noch im Schlafanzug fröstelnd in die Stube um den Ofen anzufeuern. Nachdem er die Vorhänge aufgezogen und Licht gemacht hatte, traf ihn fast der Schlag: Da stand das schöne große Schaukelpferd, das Pferd, für das er neben seiner Bergmannsarbeit wochenlang in jeder freien Minute auf dem Rittergut geschuftet hatte, das Pferd, das er gestern stundenlang durch Eiseskälte und Schnee geschleppt hatte, vor dem Weihnachtsbaum in der Stube und sein Kopf lag, umgeben von einem Häuflein Strohstaub und einigen Halmen einsam und kläglich anzuschauen zwischen den glänzenden roten Kufen.

Wundert es jemanden, dass der erste Weihnachtstag des Jahres 1926 für die Buben unerfreulich begann? Wundert es, dass Wilhelm und Milda den drei Buben die blumig ausgeschmückte Geschichte, dass der böse Horlapp die Untat gegangen habe, nicht glauben wollten und Wilhelm stattdessen von seinem väterlichen Züchtigungsrecht Gebrauch machte? Wohl kaum.

Da dies aber eine von den Weihnachtsgeschichten ist, die in unserer Familie von einer Generation zur nächsten schmunzelnd weitererzählt werden, wollen wir sie versöhnlich enden lassen.

Am Silvestermorgen kam Onkel Oswin, der eigentlich Schuldige, Vergessliche, vorbei und verband Kopf und Körper des Schaukelpferdes mit einer dünnen, kurzen Eisenstange so dass kaum noch Spuren des begangenen Frevels zu erkennen waren. Über die Schnittstelle am Hals band er ein braunes mit Leim eingestrichenes Stück Leinenstoff und ermahnte die Buben, die ihm bei seinem Tun mit Ratschlägen hilfreich zur Seite standen, beim Schaukeln künftig vorsichtig zu sein.

So, sagte er dann augenzwinkernd, nun haben wir dem bösen Horlapp ein Schnippchen geschlagen. Sieht doch wieder aus wie neu das Pferdchen. Fritz, Egon und Heinz waren begeistert, weil nun alles wieder in Ordnung war. Hellmuth jedoch, der schweigend mit gerunzelter Stirn Onkel Oswins Reparatur beobachtete, hätte sie am liebsten wieder rückgängig gemacht.

Ein Schaukelpferd mit Kopf kann doch jeder haben, maulte er, aber eins ohne Kopf, das ist schon was besonderes, oder?

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