Schönheitswahn

Boris Bergstetter ist ein eitler Geck. Er geht heute das siebte Mal zum Schönheitschirurgen.

Der Doktor schaut ihn sich an und sagt: Oh man hat ihnen einen Knopf auf die Backe genäht. Sie sind wohl in letzter Zeit sehr leichtgläubig gewesen.

Bergstetter betastet seine linke Wange, auf der ein großer glänzender roter Knopf sitzt.

Ich bin nicht leichtgläubig, sagt er entrüstet. Mir bindet niemand einen Bären auf.

Nun gut, sagt der Arzt, dann gibt es wohl andere Gründe warum der Knopf auf Ihrer Backe sitzt. Wenn sie mögen, werde ich ihn entfernen. Es tut nicht weh, allerdings werden Sie eine sehr kleine Narbe zurückbehalten.

Eine Narbe, Herr Doktor, fragt Boris Bergstetter, eine Narbe? Seine Stimme klingt leicht hysterisch. Eine Narbe wird mich zeitlebens verunstalten. Wie ein Monster werde ich damit aussehen. Man wird mich anstarren und auslachen. Das kann ich mir nicht antun. Eine Narbe, nein! Ich werde mich umbringen.

Der Arzt überlegt, was er tun könnte.

Welche anderen Möglichkeiten habe ich, fragt Bergstetter ganz außer sich. Gibt es überhaupt eine andere Möglichkeit? Der Arzt versucht ihn zu beschwichtigen. Eine kleine unauffällige Narbe, sagt er, damit kann man doch leben.

Nein, widerspricht Bergstetter, nein, nein, nein, das kann und will ich nicht, niemals.

Nun, sagt der Arzt mit nachdenklich gerunzelter Stirn, wenn die kleine Narbe so viele Unannehmlichkeiten für Sie erwarten lässt, gibt es nur eine Option: Ich werde Ihnen einen Knopf auf die andere Backe nähen, so ist wenigstens die Symmetrie gewahrt.

Wirklich, fragt Bergstetter ungläubig. Das würden Sie für mich tun?

Wenn Sie es wollen.

Oh ja, ich will, Herr Doktor, sagt Bergstetter strahlend. Er holt einen identischen roten Knopf aus seiner Jackentasche und hält ihn dem Arzt hin.

Der Arzt näht den Knopf auf die rechte Wange. Gefällt es ihnen, fragt er nach getaner Arbeit und hält Bergstetter einen Spiegel vors Gesicht.

Ja, sagt der begeistert, Sie haben eine wundervolle Arbeit geleistet, Herr Doktor, damit kann ich leben.

Wenig später lässt Bergstetter sich die Rechnung geben. Er wirft einen Blick darauf und sagt:

Nur 1500 Euro, wie preiswert. Er zahlt mit seiner Kreditkarte, schäkert noch ein bisschen mit dem Personal und geht dann glücklich davon.

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Petra Koch

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